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Bergauf durch Bäche und über glatte Steine

Tagebuch über Milan Schmüsers Teufelsritt beim Scottish Six Days Trial

Der Scottish Six Days Trial (SSDT) ist nur etwas für Hartgesottene. Milan Schmüser aus Preetz gehört zu dieser Sorte Fahrer, die auf felsigen Pisten oder steinigem Bachlauf so richtig Gas geben. Nun hat der Schleswig-Holsteiner, der jüngst beim ADAC Abend des Motorsports in der ADAC Motorrad Jugend Trial Pokal Klasse 2 als erfolgreichster Fahrer ausgezeichnet wurde, über eine knappe Woche an diesem Rennen teilgenommen. Das SSDT zählt zu den Motorrad-Trials der besonderen Art! Es geht darum, an sechs aufeinanderfolgenden Tagen die Herausforderung von täglich bis zu 100 Meilen aus einer Kombination aus rauem Moor-land, felsigen Pisten und öffentlichen Straßen aufzunehmen. Und das Ganze bei dem besten - oder auch schlechtesten - Wetter, das die schottischen Highlands zu bieten haben. Jede tägliche Route wird vom Rennleiter entworfen, um die Fähigkeiten, Erfahrung, Kraft und Ausdauer jedes Fahrers herauszufordern. Die täglichen 100 Meilen bestehen aus 30 Abschnitten, die Kraft, Fachwissen und außergewöhnliche Zuverlässigkeit von Fahrer und Maschine erfordern.
Hier Auszüge aus dem „Tagebuch“ des Trainers und Vaters von Milan, Björn Schmüser, über die sechs Tage.

Montag: Milans Ziel für den ersten Fahrtag war, nach über sieben Stunden heil in Wertung anzukommen. Das hat gut gekappt! Milan ist gut gefahren, Fahrer und Moped blieben unbe-schadet.  Er hat erst in der allerletzten Sektion seine erste fünf Punkte bekommen, Alle Sektionen bestehen aus steinigen Bergauf-Bachläufen. Diese Steine sind mal glatt, mal ganz glatt und hin und wieder ganz, ganz glatt. Das war für Milan noch echtes Neuland, 47 Strafpunkte sprechen eine eigene Sprache. Aber es reichte zu Tagesplatz 110 (von 288 Startern). Und: Milan wurde Bester von neun deutschen Teilnehmern.

Dienstag: Milan hatte keine größeren Probleme. Er kam schon besser mit den glatten Stei-nen zurecht und konnte sich mit einem Tagesergebnis von nur 34 Strafpunkten auf den 97 Platz vorfahren.

Mittwoch: Auch der dritte Tag verlief ohne Probleme. Allerdings waren 48 Strafpunkte für Milan noch einige zu viel, vor allem eine 5 für den abgerissenen Killschalter war schon ärger-lich. Dennoch genoss Milan die Mega Landschaft und hatte richtig Spaß.

Donnerstag: Tag vier brachte die ersten größeren Probleme, zum Beispiel ein Sturz im fünf-ten Gang. Milan hatte einen Sumpfgraben übersehen und sich überschlagen. Dann noch das Pech mit einer Fehlbetankung: Milan war einer von 15 Fahrern, die bei einem Tankstopp mit Diesel betankt wurden. Viel Qualm und noch mehr Gestank. Bei nächster Gelegenheit wurde der Sprit getauscht und die Vertigo lief wieder perfekt.! Am Ende ein guter Tag mit nur 30 Strafpunkten (bei 30 Sektionen).

Freitag: Milan war der allererste Starter, und da es in der Nacht sehr stark geregnet hat, war für die ersten Fahrer der Wasserstand sehr viel höher und die Steine auch noch tückisch mit  Moos bedeckt. Die erste Sektionsgruppe wurde dann wegen Hochwasser gesperrt. Auch andere Sektionen waren noch früh morgens reißende Bäche, nur ein oder zwei Stunden später plätscherten diese dann harmlos vor sich hin. Das Ziel erreichte Milan dennoch fast eine Stunde vor dem nächsten Teilnehmer, aber die 64 Fehlerpunkte warfen ihn auf Platz 124 zurück.

Sonnabend: Milan startete spät (11.05 Uhr) und hat sich dann auch noch weiträumig verfah-ren und ist deshalb auch noch ohne Sprit liegengeblieben. Zum Glück hat er den Reserve-Kraftstoff nun nicht die ganze Woche umsonst durch die Highlands geschleppt. An der be-rühmtesten Sektion der Welt, der Pipeline, kam er so spät an, dass Mutter Schmüser sich schon Sorgen machte. Doch dann drehte der Preetzer Jung noch mal auf: Milan ist die vier Sektionen zur Besichtigung im Laufschritt rauf und wieder runter gehetzt, um dann alle Abschnitte ohne Fehler zu meistern. Mit nur 19 Fehlerpunkten wurde dies Milans bester Tag. Seine erste SSDT soll nicht die letzte bleiben.

Im Ziel gab es für jeden die Finisher Urkunde und für Milan die herzlichen Glückwünsche von Manel Jahn, dem VERTIGO Besitzer. Bei der Siegerehrung am Abend räumte Milan dann den begehrten First Claas Award für den 109. Platz mit 242 Punkten ab.

Text: Rainer Pregla