Vom Tuning-A4 zum Podium auf der Nordschleife
Andreas Hansen erfüllt sich beim 24h-Rennen einen Lebenstraum
Vor knapp zehn Jahren begann alles vergleichsweise unspektakulär: ein Audi A4, ein paar technische Anpassungen – und eine große Portion Leidenschaft. Als einer der sechs Gründungsväter der Rennsportgemeinschaft Schleswig-Holstein (RSG) wagte Andreas Hansen damals mit 35 Jahren den Einstieg in den Motorsport. Slicks, Spurverbreiterungen und eine auffällige Sponsorfolierung – mehr „Tuning“ war zunächst nicht nötig, um die ersten Schritte auf der Rennstrecke zu gehen.
Doch schnell wurde klar: Hier geht es um mehr als nur ein Hobby. Über Einsätze in der Rundstrecken-Challenge Nürburgring (RCN) kam Hansen erstmals mit der legendären Nordschleife in Berührung – und mit ihr wuchs ein Traum, der viele Motorsportler antreibt: einmal bei den 24 Stunden am Nürburgring an den Start gehen. Am vergangenen Wochenende wurde dieser Traum Wirklichkeit.
Mittendrin statt nur dabei
Bereits die Tage vor dem Rennen ließen erahnen, welche Dimension dieses Event hat. Bei den Adenauer Racing Days drängten sich tausende Fans dicht an dicht entlang der Strecke. Rund um den Porsche Cayman mit der Startnummer #454 war das Interesse groß: Autogrammkarten wurden gereicht, Kameras klickten im Sekundentakt. Für Andreas Hansen war es einer dieser besonderen Momente – einer, in dem sich Jahre der Vorbereitung, der Leidenschaft und des Durchhaltewillens plötzlich greifbar anfühlen.
Wenig später wurde es ernst. Als Teil des Teams Pure Racing ging Hansen in einem seriennahen Porsche Cayman in der Klasse V5 an den Start. Ein Fahrzeug, das auf den ersten Blick unscheinbar wirkt – doch genau hier liegt die Herausforderung: weniger Leistung als in den großen Klassen, dafür umso mehr Kampfgeist, Konstanz und Teamarbeit.
Strategie, Verantwortung – und ein starker Start
Das Wochenende begann solide. Mit Platz 131 im ersten Qualifying (Q1) erarbeitete sich das Team eine gute Ausgangsposition. Im Sinne der Materialschonung verzichtete man jedoch bewusst auf eine Teilnahme an Q2 – und nahm dafür in Kauf, am Ende des Feldes starten zu müssen. Eine Entscheidung mit Risiko – und gleichzeitig ein klares Zeichen: Hier denkt man langfristig. Den Start übernahm Andreas Hansen selbst. Ein Vertrauensbeweis des Teams, der Verantwortung bedeutet. Denn ein 24-Stunden-Rennen wird nicht in der ersten Runde gewonnen – aber hier kann es verloren werden. Entsprechend kontrolliert und fokussiert ging Hansen zu Werke: nicht vom Adrenalin, sondern vom Kopf gesteuert. Auch im Wissen, dass Teamchef Alexander Mohr, die Mechaniker und seine Fahrerkollegen Heimbach und Schambony auf ein funktionierendes Auto angewiesen sind.
24 Stunden – und alles, was dazugehört.
Das Rennen selbst brachte genau das mit, was die Faszination des Langstreckensports ausmacht: Spannung, Rückschläge – und beeindruckende Teamleistung. Während einer Zeitstrafe nutzte die Mannschaft die Gelegenheit und wechselte in exakt 45 Sekunden prophylaktisch die Bremsbeläge – ein Boxenstopp auf höchstem Niveau. Weniger planbar war dagegen ein Defekt am Rennsport-Katalysator, der nicht nur für deutlich mehr Sound sorgte, sondern auch weitere Strafen nach sich zog. Die Konsequenz: eine klare Drehzahlbegrenzung in sensiblen Streckenabschnitten – eine zusätzliche Herausforderung auf einer ohnehin anspruchsvollen Strecke. Doch das Team blieb ruhig, fokussiert und handlungssicher.
Der Lohn: Podium auf der Nordschleife
Nach 24 intensiven Stunden, unzähligen Runden und einer beeindruckenden Energieleistung dann die Belohnung: Platz 2 in der Klasse V5 und Rang 84 in der Gesamtwertung. Ein Ergebnis, das nicht nur sportlich überzeugt, sondern auch emotional eine enorme Bedeutung hat. Denn hinter diesem Erfolg steckt mehr als ein Rennwochenende. Es ist die Geschichte eines späten Einstiegs, eines konsequent verfolgten Ziels – und eines Traums, der Realität geworden ist. Das Schwesterfahrzeug von Pure Racing komplettierte das starke Gesamtergebnis des Teams und unterstrich die geschlossene Mannschaftsleistung.
Der Blick nach vorn
Dass dieses Kapitel noch nicht zu Ende ist, liegt auf der Hand. Bereits jetzt plant Pure Racing, 2027 mit identischer Besetzung erneut an den Start zu gehen. Die Erfahrungen aus diesem Jahr bilden dafür eine wertvolle Grundlage. Die Richtung ist klar: Wenn alles zusammenpasst – fahrerisch, technisch und strategisch – ist der Klassensieg in greifbarer Nähe.
Die RSG Schleswig-Holstein gratuliert Andreas Hansen und dem gesamten Team von Pure Racing herzlich zu diesem beeindruckenden Erfolg und drückt schon jetzt die Daumen für die nächste Herausforderung auf der Nordschleife.
