Nach rund drei Jahren Pause kehrte Niklas Meisenzahl am vergangenen Wochenende in die ADAC RAVENOL Nürburgring Langstrecken-Serie (NLS) zurück. Austragungsort war das traditionsreiche 6-Stunden-Rennen, eines der Saisonhighlights auf der Nordschleife. Mit über 130 Fahrzeugen unterschiedlichster Klassen und einer Renndistanz von sechs Stunden zählt die Veranstaltung zu den größten und anspruchsvollsten Langstreckenrennen Deutschlands.
Für Meisenzahl stand dieses Mal allerdings nicht der Kampf um Spitzenplatzierungen im Mittelpunkt. Gemeinsam mit Jörg Barth, Sören Timm und Adrian Wolf teilte er sich das Cockpit eines Porsche Cayman GT4 Clubsport von Sorg Rennsport. Das Fahrzeug war bewusst auf rund 300 PS gedrosselt – anstelle der serienmäßigen rund 425 PS –, um den drei Fahrerkollegen den Aufstieg von der Nordschleifen-Permit B auf die Permit A zu ermöglichen.
Das erklärte Ziel lautete deshalb: Erfahrung sammeln, möglichst viele Rennrunden absolvieren und den Grundstein für zukünftige Einsätze auf der Nordschleife legen.
Bereits die Tage vor dem eigentlichen Rennwochenende hätten für Meisenzahl kaum besser verlaufen können. Von Montag bis Donnerstag war der Nordfriese als Instruktor der Porsche Track Experience auf der Nordschleife im Einsatz. Zunächst beim Programm Master GT3 RS, anschließend beim Master Nordschleife, sammelte er gemeinsam mit seinen Teilnehmern über 1.000 Kilometer auf der legendären Strecke.
Meisenzahl: „Es gibt kaum etwas Schöneres, als mehrere Tage am Stück auf der Nordschleife unterwegs zu sein. Wir hatten fantastische Teilnehmer, perfekte Bedingungen und ein großartiges Team. Besser hätte die Woche kaum beginnen können.“
Der Wechsel vom Instruktor direkt zurück ins Rennauto machte das Wochenende für Meisenzahl zu etwas ganz Besonderem. Ab Donnerstag stand die Vorbereitung mit dem Team von Sorg Rennsport im Mittelpunkt, bevor am Freitagnachmittag das freie Training begann. Jeder Fahrer absolvierte die geplanten drei Runden, um sich optimal auf die Bedingungen einzustellen.
Am Samstagmorgen begann um 8:30 Uhr das 90-minütige Qualifying. Da die gefahrenen Runden bereits für die Permit-Wertung zählten, absolvierten zunächst Jörg Barth, Adrian Wolf und Sören Timm ihre jeweiligen Pflichtumläufe. In den letzten 15 Minuten übernahm Meisenzahl das Steuer des Cayman GT4 Clubsport und platzierte das Fahrzeug auf einem starken 89.
Startplatz im Gesamtfeld von 132 Startern.
Meisenzahl nach dem Zeittraining: „Natürlich wäre mit einem ungedrosselten Cayman noch deutlich mehr möglich gewesen. Aber darum ging es überhaupt nicht. Unser Ziel war es, die Jungs sicher auf dem Weg zur Permit A zu begleiten.“
Nach rund drei Jahren ohne Start in der Nürburgring Langstrecken-Serie war allein der Moment, wieder in der Startaufstellung zu stehen, für Meisenzahl bereits etwas Besonderes.
Zu Rennbeginn absolvierten zunächst Jörg Barth, Adrian Wolf und Sören Timm jeweils ihre sechs vorgeschriebenen Runden für die Permit-Wertung. Anschließend übernahm Meisenzahl den Porsche. Zahlreiche Gelb- und Code-60-Phasen infolge mehrerer Unfälle auf der 24,358 Kilometer langen Kombination aus Grand-Prix-Strecke und Nordschleife verhinderten schnelle Rundenzeiten. Trotzdem spielte das Ergebnis an diesem Wochenende nur eine untergeordnete Rolle.
Nach sieben Runden stieg Meisenzahl mit einem breiten Grinsen aus dem Fahrzeug: „Das hat einfach unglaublich viel Spaß gemacht. Natürlich hatten wir mit dem gedrosselten Cayman gegen unsere direkten Konkurrenten keine Chance. Aber genau diese Zweikämpfe mit Fahrzeugen unterschiedlichster Klassen machen die Nürburgring Langstrecken-Serie aus. Nach drei Jahren endlich wieder hier Rennen zu fahren – das hat sich einfach richtig gut angefühlt.“
Im letzten Renndrittel entschied sich das Team bewusst dafür, die verbleibende Fahrzeit nochmals zwischen Sören Timm und Jörg Barth aufzuteilen. Die dadurch notwendigen zusätzlichen Boxenstopps kosteten zwar einige Positionen im Gesamtklassement, ermöglichten den Fahrern jedoch weitere wichtige Rennkilometer für ihre Entwicklung.
Nach sechs Rennstunden überquerte das Quartett die Ziellinie auf Gesamtrang 81 sowie Platz 17 in der Klasse.
Auch Gina Jobes feiert ihr NLS-Debüt - ein weiteres Highlight spielte sich in der gleichen Box ab: Während Gina Jobes, die Verlobte von Niklas Meisenzahl, in den vergangenen Jahren bereits mehrfach gemeinsam mit Meisenzahl, Jörg Barth und Sören Timm ein Cockpit auf der Rennstrecke geteilt hatte, stand sie nun erstmals selbst bei einem Lauf der Nürburgring Langstrecken-Serie am Start.
Gemeinsam mit drei Teamkollegen pilotierte sie für Sorg Rennsport den neu entwickelten BMW
M2 Racing mit 313 PS. Auch für Jobes stand nicht das Ergebnis im Vordergrund. Ziel war es, wichtige Rennkilometer zu sammeln und den Grundstein für den Aufstieg zur Permit A zu legen - dieser Plan ging voll auf: Gemeinsam mit ihrem Team belegte sie einen hervorragenden 5. Platz in der M2 Racing Cup-Klasse sowie Gesamtrang 71.
Meisenzahl nach dem Rennen: „Deswegen liebe ich Motorsport. Natürlich freut man sich über gute Ergebnisse. Aber noch schöner ist es, gemeinsam mit Freunden und Teamkollegen zu erleben, wie sie den nächsten Schritt machen und neue Möglichkeiten bekommen. Nach drei Jahren endlich wieder in der NLS zu starten und das gemeinsam mit so vielen tollen Menschen erleben zu dürfen, bedeutet mir wirklich sehr viel.“





